Zwischending, zwischen BH und Korsett
Ich mag keine BHs, dafür aber Korsetts. Leider passen Korsetts nicht so in meinen doch recht modernen Alltag und ich bin da auch zu dünn dafür.
Darum war ich auf der Suche nach einem Mittelding zwischen Korsett und BH. Und so kam ich auf die Idee ein Bustier zu nähen.
Wie es möglich ist und ich Lust habe, versuche ich die Schnittmuster immer selbst zu erstellen. So entstand daher das Projekt „Bustier nähen ohne Schnittmuster“.
Da es ein ebenso hübsches Dekolleté zaubert wie bei einem richtigen Korsett und ich es aus schwerem Leinen gefertigt habe, nenne ich es deshalb auch mein „Mini-Korsett“.
Inhaltsverzeichnis: Bustier nähen ohne Schnittmuster
Das Geheimnis sind Abnäher
Der Trick besteht darin, dass man sich ein langes rechtiges Stück Stoff nimmt, was so lang ist, dass es einmal um den Körper reicht und so breit ist, dass es die Brust bedeckt und noch ein Stückchen die Rippen.
Dann fügt man vorn bei der Brust Abnäher ein. Abnäher sind wie kleine Dreiecke, die von der unteren Kante bis zur Spitze zusammengenäht werden. Je nachdem wieviel Oberweite man hat, kann man auch 2 Abnäher einfügen.
An der Seite fügt man ebenfalls Abnäher ein, wenn nötig. Ich hatte oben ein wenig zu viel Luft und musste daher einen Abnäher (auf dem Kopf stehendes Dreieck) einfügen, der die Weite oben etwas zusammennimmt.
Mit Abnähern kann man wunderbar Weite reduzieren, wo sie zu viel ist. Ein normales Dreieck reduziert Weite unten, ein auf den Kopf stehendes Dreieck reduziert Weite oben.
Gleichzeitig wird das Stück Stoff dem 3-dimensionalen Körper angepasst.
Die Kurzanleitung sieht so aus:
Die lange Anleitung sieht so aus:
Mein selbst erstelltes Schnittmuster:
Material:
An Material braucht es nicht viel:
- einen Streifen Stoff (ich hatte noch schweres Leinen da, aber es geht auch weicherer oder dünnerer Stoff, je nach Belieben)
- ein Stück Haken und Ösen-Band (so lang, wie eben vorn der Verschluss sein soll)
- Spitze zum Dekorieren
- Stoff oder Spitze für die Träger (man kann auch fertig gekaufte Träger dran nähen), ich hatte noch 3 cm breite Madeira Spitze übrig, die ich dafür verwendet habe
- die üblichen Näh-Utensilien (Nähmaschine, Nadel, Faden, Schere, Schneiderkreide …)
Abnäher nähen:
Wenn man möchte, kann man auch erst mit einem Probestöffchen rum probieren, bevor man sich an den endgültigen Stoff wagt.
Ich hab zuerst die Brustabnäher mit Nadeln abgesteckt, dann mit Faden geheftet und anschließend genäht.
Glatt bügeln nicht vergessen.
Wenn die Brustabnäher soweit sitzen, gehts an die Seiten. Dort steckt man ebenfalls so viel ab, bis alles sitzt. Danach näht man ebenfalls die Abnäher und bügelt sie glatt.
Ist auch gut möglich, dass man an der Seite vielleicht auch gar keinen Abnäher braucht. Das muss man einfach ausprobieren.
Falls der Stoffstreifen am Ende immer noch zu weit ist, kann man noch eine Rückennaht einfügen und im Rücken ein paar cm wegnehmen.
Haken und Ösenband befestigen:
Nun wird das Haken und Ösenband mit Stecknadeln fest gesteckt, wo der Verschluss hin kommen soll. So lässt sich das Bustier besser anprobieren.
Den Schritt kann man natürlich auch vor den Abnähern machen.
Ich hatte anfangs die Kanten nach außen gebügelt, weil ich nicht nachgedacht hab. Aber besser wäre es gewesen gleich zu Anfang die Kanten vorn mit der Overlock zu versäubern, dann nach innen umzubügeln und anschließend das Haken und Ösenband dran zu stecken.
Haken und Ösenband annähen:
Wie schon vorhin erwähnt hab ich dann vorn die Kanten mit der Overlock versäubert, umgeklappt und das Haken und Ösenband angenäht. Ganz unkompliziert und unspektakulär.
Wie man auf den Bildern sieht, hab ich das Ösenband zuerst innen angenäht, dann umgeklappt und von außen noch mal drüber genäht. So hat es doppelten Halt.
Kanten mit Schrägband versäubern:
Da der Stoff ja nun ziemlich fest und steif ist, hab ich wie beim Korsett die obere und untere Kante mit Schrägband versäubert.
Hinterher hab ich dann aber doch die Schrägband Kante noch einmal nach innen umgeklappt und festgenäht. Das sah einfach besser aus, wenn man nachher die Spitze dran genäht hat.
Ich hatte auch erst schmale Träger dran genäht. Aber die waren nicht so bequem. Breite Träger (3 cm) sind da wirklich die bessere Wahl und deutlich bequemer.
Träger und Spitze annähen:
Wie auf dem Bild zu sehen, hab ich den Träger erst rechts auf rechts angenäht, danach umgeklappt und noch einmal drüber genäht. So hat er perfekten Halt.
Ich bin ja total Spitzen verliebt. Drum geht bei mir auch nichts ohne Spitze. Aber wer es schlicht mag, kann es auch so belassen.
Und fertig ist das Bustier.
Fazit:
- ein Bustier zu nähen ist einfacher als gedacht
- das Schnittmuster kann man mit Hilfe von Abnähern und immer wieder anprobieren selbst erstellen
- es eignet sich perfekt zur Stoff-Reste-Verwertung und nahezu jeder Stoff kann verwendet werden
- es ist bequemer als ein BH und macht zudem noch ein schöneres Dekolleté
- ideal auch für kleine Oberweiten
- der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt (ob mit Spitze oder ohne, festes oder weiches Material, mit elastischen Einsätzen … alles ist möglich)
- mit dem fertig zu kaufenden Haken und Ösenband gelingt der Verschluss sicher und ist kinderleicht anzunähen
- ich werd mir da bestimmt noch ein paar mehr Modelle nähen





















