Unterhemd zum Schutz vor Schweiß
Auch im Sommer sollte man Unterhemden tragen, um die äußere Kleidung vor dem Schweiß zu schützen.
Und da die Vögel bereits mit einer Emsigkeit zwitschern, als stünde der Frühling bereits um die Ecke, hab mich an die Arbeit gemacht und schon einmal ein historisches Unterhemd mit schmalen Biesen genäht.
Historische Unterwäsche für den Sommer war so romantisch, verspielt und detailreich, dass ich davon unbedingt noch einige Stücke in meinem Kleiderschrank brauche.
Denn nach dem langen, nicht enden wollenden Winter ist man doch immer froh endlich wieder in dünnere, leichtere Kleidung zu schlüpfen.
Inspiration für historische Unterwäsche
Anregung, Inspiration und Ideen findet man – dank des Internets – viele. Das Unterhemd mit den schmalen Biesen, welches ich genäht habe, hab ich aus dem „Buch der Wäsche“ von Brigitta Hochfelden.
Eine sehr zu empfehlende digitale Wäsche Zeitung mit vielen Ausgaben von 1894 bis 1919 findet man in der österreichischen Nationalbibliothek (einfach Wäsche Zeitung ins Suchfeld eingeben).
Wäsche Schnittmuster kaufen oder selbst erstellen
Auf Etsy oder bei Truly Victorian Patterns findet man auch fertige Schnittmuster. Diese sind dann meist historisch korrekte Schnitte.
Für meine Zwecke reicht es mir, dass ich mir meinen Grundschnitt nehme und daran das Schnittmuster erstelle, wie ichs haben möchte.
Material
Als Material eignet sich am besten leichte Baumwolle bzw. Batist. Ich hab für dieses historische Unterhemd mit Biesen zarten Musselin von Sartor Stoffe gewählt.
Er hat ein Gewicht von nur 57 g / m² und ist leicht transparent. Aber wirklich nur leicht.
Sehr gut eignet sich auch ganz dünnes Leinen.
Inhaltsverzeichnis How to: Historisches Unterhemd mit schmalen Biesen
Im folgenden findest du die einzelnen Schritte, wie ich das Unterhemd genäht habe.
Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für mich war dies die einfachste.
Schnittmuster erstellen
Ich hab glücklicherweise das „Buch der Wäsche“ erwischt, wo noch originale Schnittmuster von damals drin waren. So brauchte ich nur den Schnitt raus kopieren und ein wenig an meine Maße anpassen.
Durch die Biesen vorn, hab ich das Rückenteil etwas schmaler gehalten als das Vorderteil.
Aber man kann den Schnitt auch ganz leicht anhand seines eigenen Grundschnitts erstellen.
Probebiesen nähen
Bei mir muss immer alles von Anfang an klappen. Daher mach ich vorher meist etliche Muster und Probenähungen, bevors an den richtigen Stoff geht.
Da ich mir immer unsicher bin, wieviel Weite man denn nun zugeben muss, wenn das Vorderteil Biesen hat, hab ich einfach ein Stoffrest genommen und dort die Hälfte der Biesen genäht, wie sie später am Unterhemd sein würden.
Vorher hab ich mir immer nach 1 cm Markierungen mit einem Stift gemacht. Somit wusste ich die Breite des Stoffs bevor die Biesen genäht wurden und konnte sie am Ende nachmessen, um wieviel sie geschrumpft ist.
Bei schmalen Biesen hab ich festgestellt, dass es ausreicht, wenn man 1-2 cm mehr Weite zugibt (für halbes Vorderteil). Kommt natürlich auch auf die Anzahl der Biesen an.
Biesen nähen
Jetzt wird es spannend und die ersten Biesen können genäht werden. Ich hab dazu einen speziellen Biesen-Nähfuß genommen.
Man braucht eigentlich gar nix weiter zu beachten, außer, dass man die Biesen gerade und senkrecht hin bekommt.
Vorder- und Rückenteil zusammen nähen
Unterwäsche näh ich sehr gerne mit französischer Naht und sie ist einfacher zu nähen, als sie sich anhört.
Wichtig dabei ist, dass die Nahtzugabe genau 1,5 cm beträgt.
Ich hab zuerst die Schultern und danach die Seiten zusammen genäht. Anders als beim normalen zusammen nähen legt man nicht die rechten, sondern die linken Seiten des Stoffes aufeinander und näht beide Teile mit 0,5 cm Abstand von der Außenkante zusammen.
Danach bügelt man die Naht schön glatt und schlägt die genähte Naht mit 1 cm nach innen um, sodass die genähte Naht und offene Kante eingeschlossen wird.
Nun näht man mit 1 cm Abstand von der Außenkante die zweite Naht.
Saum nähen
Für einen geraden Saum bei dünnen und feinen Stoffen macht es sich am besten, wenn man vorher eine Hilfsnaht näht. Sie dient später zur Stabilisierung der Falzkante, wenn der Saum umgeschlagen wird.
Ich nähe die Hilfsnaht ca. mit 1 cm Abstand von der Außenkante, aber es würde auch 0,5 cm reichen.
Man kann dann ganz leicht den Saum an der Hilfsnaht umbügeln. Anschließend ein zweites Mal umbügeln und festnähen.
Ausschnitt versäubern
Den Ausschnitt zu versäubern gelingt am besten mit einem Beleg. Dazu legt man sich das Schnittmuster von Vorder- und Rückenteil auf den Tisch vor sich hin und zwar so, dass die beiden Teilen an den Schultern zusammen liegen.
Dann kann man Schnittmusterpapier darüber legen und den Ausschnitt nachzeichnen. 1,5 -2 cm Breite reicht vollkommen zu.
Ich teste danach immer noch einmal an der Schneiderpuppe, ob der Beleg wirklich passt.
Im nächsten Schritt wird er dann mit Hilfe von Stecknadeln auf den Stoff geheftet, ausgeschnitten und rechts auf rechts von außen ringsherum an den Ausschnitt genäht. Vorher hab ich den Beleg vorn und hinten noch zusammen genäht.
Zum Schluss wird er dann zweimal nach innen umgeschlagen und festgenäht.
Armloch versäubern
Um das Armloch zu versäubern schneidet man am besten einen 1,5, cm breiten Stoffstreifen zu, der so lang ist wie das Armloch + Nahtzugabe.
Die Länge bestimmt man ganz einfach indem man mit dem Maßband am Schnittmuster die Länge misst.
Im nächsten Schritt wird dann der Stoffstreifen rechts auf rechts von außen an das Armloch geheftet (mit 0,5 cm Abstand) und angenäht.
Dort, wo sich der Stoffstreifen überlappt, muss das untere Ende vorher umgeklappt werden, damit später keine offene Kante zu sehen ist.
Nun wird der Stoffstreifen einmal um 0,5 cm nach innen umgebügelt und dann ein weiteres Mal umgeklappt und festgenäht, sodass er dann von außen nicht mehr zu sehen ist.




















