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5-Bahnen-Rock Edwardianisch Nähanleitung

Heut stell ich dir meinen 5-Bahnen-Rock Edwardianisch vor. Eine Nähanleitung, die kein Detail auslässt. 

Ich hab ihn aus leichtem Wollstoff mit einem winzigen Anteil an Polyester genäht. Aber es eignet sich dafür auch jeder andere Stoff.

Benötigte Stoffmenge

Für Größe 36 ist die benötigte Menge an Stoff auch überschaubar. Ich schätze so 2 m, wenn der Stoff 1,4 m breit ist. 

Schnittmuster

Das Schnittmuster hab ich aus meinem Buch „Das Buch der Haus-Schneiderei“, welches um 1914 herum erschienen ist. Damals wurde der Rock an der Seite mit Haken und Ösen verschlossen.

Vershluss

Ich liebe jedoch unsichtbare Reißverschlüsse in der hinteren Naht, denn sie sind sehr schnell einzunähen. Und viel Zeit bleibt mir neben meiner Arbeit ja nicht zum Nähen. Drum muss es auch ein wenig fix gehen. Deshalb bekommt bei mir hinten fast jeder Rock einen Reißverschluss.

Kurzer Rückblick über meinen Gesundheitszustand

Die letzten Tage und Wochen waren wieder einmal sehr anstrenged. 😔Ich leider immer noch an einem Zinkmangel und meine Leber arbeitet noch nicht so wie sie müsste. 

Daher war ich ständig extrem müde und hab grad so meine 8 Stunden Arbeit geschafft. Ich hab dann einfach mal die Zinkmenge verdoppelt und siehe da, es ging mir sofort extrem besser. 

Das mach ich natürlich nicht dauerhaft, aber manchmal muss man halt einfach ausprobieren, was hilft.

Zudem bin ich ja immer noch unter ärztlicher Kontrolle aufgrund meiner Stoffwechselstörung. Was soll da schon groß schief gehen?!

Meine Arztkosten und die ganzen Mikronährstoffe, die ich einnehmen muss, übersteigen auch gerade meinen monatlichen Verdienst (bin bei einer Privatärztin, da sie Naturmedizinerin ist). Aber was ist schon ein Leben ohne Gesundheit?

Und ich kann halt auch nicht ruhig sitzen, sondern muss stets irgendwas machen. Am liebsten näh ich halt. Das ist für mich der Inbegriff eines paradiesischen Lebens. 

Umgeben von Stoffen, Knöpfen, Spitzenborten, Schnittmustern und 100 Jahre alten Nähbüchern. 😍Man könnte mich wochenlang in einer Nähstube mit Nähmaschinen, Stoffen, Kurzwaren und Büchern einschließen. Ich wär der glücklichste Mensch auf der Welt. 😇

Nun, fangen wir also an. 

Links auf dem Bild ist schon einmal der fertige Rock zu sehen (um ein bisschen Motivation zu schaffen 😜). Er sieht in echt noch etwas schöner aus. Irgendwie kommt das auf dem Foto nicht so recht rüber. 

Rocklänge

Man kann den Rock boden-, knöchel- oder knielang machen. Ganz nach Geschmack. Meiner endet kurz über den Knöcheln. Da kann man bequem Treppen steigen, ohne drauf zu treten.

Mit Unterröcken hab ichs noch nicht so, aber das kommt sicher noch.

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Wie erstelle ich das Schnittmuster?

Das Schnittmuster in dem Buch sah so aus. Die erste Bahn ist die vordere Rockbahn. Sie ist 105 cm lang. Die Länge muss man ja eh anpassen. Oben ist die Bahn 13 cm breit und unten 32. Meine ist 14 cm breit

Am besten zeichnet man sich ein rechtwinkliges Rechteck auf Schnittmusterpapier und zeichnet dann die Bahn ein. 

Ich hab die vordere Bahn auch nicht im Stoffbruch aufgemalt, wie es oft üblich ist, sondern einfach so. 

Die nächste Bahn ist die Seitenbahn. Davon werden 2 Stück benötigt (für rechts und links). Ich hab sie oben 15 cm breit gemacht und unten 51 cm. Je nachdem wie weit man unten den Rock haben möchte. 

Die seitliche Rockbahn ist am oberen Rand hinten 2 cm und und unten 6 cm höher. Das ergibt eine schöne Rundung und sieht besser aus, als wenn es oben und unten gerade und rechtwinklig ist.  

Die letzte Bahn ist die hintere Rockbahn und wird ebenfalls zweimal ausgeschnitten. Meine ist oben 16,5 cm und unten 51 cm breit. Diese ist hinten am oberen Rand 5 cm höher.

WICHTIG: ist, dass die obere Breite aller Stoffbahnen = die Taillenweite ist. Man sollte also vor dem Zuschneiden schon die Breite aller Stoffbahnen zusammenrechnen und schauen, ob es mit der Taille passt oder ob man irgendwo Stoff zugeben oder wegnehmen muss. 

Rockbahnen versäubern und zusammen nähen

Als erstes hab ich alle Rockbahnen mit der Overlock versäubert. Für mich die beste und schnellste Art Stoffkanten vor dem Ausdrieseln zu schützen. 

Anschließend werden die zwei seitlichen Stoffbahnen mit der vorderen zusammen genäht. Die zwei hinteren Rockbahnen hab ich erst einmal nur mit den seitlichen zusammen gesteckt, aber noch nicht genäht.

Die Rückennaht bleibt ebenfalls noch offen.

Rechts im Bild sieht man die zusammen genähten Stoffbahnen. 

Schablone für Bund erstellen

Dann hab ich für den Bund eine Schablone erstellt. Denn der Bund ist ja leicht rund bzw. gewölbt. Er muss sich quasi genau der Rundung des Rockbundes anpassen.

Das geht am besten, wenn man die Bahnen vom Schnittmuster nebeneinander auf den Tisch legt, dann Schnittmusterpapier drüber legt und den Rockbund abzeichnet

Mein Rockbund ist ungefähr 4 cm breit. 

Ich hab den Bund in 3 Teile geteilt, weil ich dachte, es ist einfacher mit dem auftrennen, wenn man später den Rock an den Seiten enger oder weiter machen möchte. 

Aber im Nachhinein glaub ich, dass es doch einfacher ist den Bund aus einem Stück auszuschneiden und bei Bedarf die Rückennaht aufzutrennen und enger oder weiter zu machen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hab ich den Rockbund aus alten Stoffresten ausgeschnitten und der Schneiderpüppi angezogen. So sieht man, ob er passt. Man kann ihn auch an sich selbst anhalten. 

Rockbund zusammen nähen

Wenn man den Rockbund wie ich aus 3 Teilen zuschneidet, hat man am Ende 6 Teile (da alles doppelt zugeschnitten wird). 

Die gleichen Teile werden an der oberen Naht zusammen genäht und auseinander gebügelt.

Rockbund an Rock nähen und Seitenbahnen zusammen nähen

Jetzt wird der Rockbund (die 3 Teile) an den Rock genäht

Anschließend werden die zwei hinteren Bahnen mit den seitlichen Bahnen zusammen genäht. Dabei muss man aufpassen, dass die Nähte vom Rockbund exakt zusammentreffen (siehe Bild 3), was ein bisschen knifflig ist.

AUFPASSEN: wenn man eine Tasche einnähen möchte, sollte man unbedingt an einer Seite eine Öffnung lassen. Also die Rockbahn nicht bis oben hin zusammen nähen.

Ganz wichtig ist auch den Rockbund mit Kantenfix zu verstärken. Das sorgt für besseren Halt (Bild 2).

Taschenbeutel zuschneiden und nähen

Kein Rock ist perfekt ohne Tasche. Dummerweise hab ich eine Hosentasche als Vorlage genommen, aber nichtsdestotrotz funktioniert sie trotzdem. 

Wichtig ist, dass man den Taschenbeutel aus einem Stoff seiner Wahl zuschneidet und einen Beleg, der aus dem gleichen Stoff besteht, wie der Rock.

Der Beleg wird innen auf den Taschenbeutel genäht, sodass er fest mit dem Beutel verbunden ist, aber von außen die Naht nicht zu sehen ist.

Tasche an Rock nähen

Bevor die Tasche an den Rock genäht wird, ist es ratsam die Seiten mit Kantenfix zu verstärken. 

Die Tasche wird einzeln an die Seitennaht genäht. Danach näht man die Taschenbeutel zusammen.

Auf dem rechten Bild sieht man den fertig zusammen genähten Taschenbeutel. Ich hab ihn zum Schluss noch mit der Overlock versäubert.

Hintere Naht zusammen nähen

Nun wird es spannend, denn der Reißverschluss wird eingenäht.

Aber vorher muss die hintere Naht zusammen genäht werden und zwar bis dorthin, wo der Reißverschluss endet und ein kleines bisschen drüber. 

Die Naht, wo dann der Reißverschluss eingenäht wird, wird nur mit Heftfaden zusammen geheftet. 

Die Nahtzugabe beim Reißverschluss muss unbedingt mit Kantenfix verstärkt werden! Ohne dem gibts kein schönes Ergebnis (ich spreche aus Erfahrung).

Reißverschluss einnähen

Ich verwende natürlich einen unsichtbaren Reißverschluss (Nahtreißverschluss), da ichs nicht so schön finde, wenn man historische Schnitte hat und dann springt einem der Reißverschluss direkt ins Auge.

Aber praktischer ist es eben doch irgendwie und bisher ist mir auch noch keiner kaputt gegangen. Außerdem lässt er sich super leicht nähen

Der Rock wird auf links gedreht und der Reißverschluss mit Stecknadeln auf die Nahtzugabe geheftet. Danach wird er mit Heftfaden auf der Nahtzugabe fixiert. 

Im nächsten Schritt entfernt man die Heftfäden von der hinteren Naht, sodass man den Reißverschluss öffnen kann. Denn zum Annähen muss man ihn öffnen. 

Am besten lässt sich der Reißverschluss mit so einem schmalen Reißverschlussfuß annähen (siehe letztes Bild). Denn man muss die Zähnchen vom Reißverschluss soweit auseinander biegen, wie es geht, um daneben nähen zu können. 

Rockbund innen annähen

Als letzten Schritt, der unglaublich meditativ sein kann, wird der Rockbund nach innen umgeschlagen und von Hand angenäht. Und zwar so, dass es von außen her nicht zu sehen ist. 

Aber vorher nicht vergessen den Faden durch Bienenwachs zu ziehen. Das sorgt für eine bessere Haltbarkeit und weniger Verwurstelungen oder gar Knoten. Ein Graus eines jeden Schneiders: verhedderter Faden.

Ich hab den Rockbund oben noch abgesteppt für eine bessere Stabilität. Hat man dicken Stoff und kippt der Nähfuß hinten runter, macht es sich gut, wenn man ein Stück Stoff drunter legt. So ist der Nähfuß vorn und hinten auf gleicher Höhe und bleibt nicht stecken. 

Rocksaum versäubern

Jetzt hätt ich doch glatt vergessen, den Rocksaum zu versäubern

Ich hab für den Rocksaum einfach einen Stoffstreifen rechts auf rechts ans Rockende genäht, was ca. 5 cm breit ist. Danach hab ich ihn nach innen umgeklappt und angenäht.

Aber besser wäre es gewesen, alle Schnitteile nebeneinander hinzulegen und den Rocksaum abzuzeichen. Denn der Rocksaum ist ja rund und nicht gerade.

Nimmt man nur einen geraden Stoffstreifen, hat man dann beim umklappen innen zu viel Stoff, sodass man hier und da eine Falte einbauen muss. 

Aber ich sag mal so, es sieht ja am Ende keiner und niemand prüft, ob er korrekt genäht ist.

Schlusswort

Für mich ist der Rock super bequem und vor allem schön warm im Herbst und Winter.

Futter sind mir meist zu umständlich und zeitaufwendig. Denn Zeit ist bei mir knapp und fürn Alltag geht’s auch ohne.

Mit einem Unterrock würde er noch etwas weiter abstehen, was sicher auch schön aussehen würde. Aber für mich funktioniert er auch so. Das Material ist auch nicht ganz so empfindlich, sodass er perfekt für den Alltag ist, egal ob bei der Haus- oder Gartenarbeit.

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