Historische Ärmel sind etwas ganz besonderes und raffiniertes, denn sie bestehen nicht wie die heutigen Ärmel aus einem Stück, sondern aus zwei Stücken.
Das bedeutet, sie haben einen Außen- und Innenärmel und dadurch zwei Nähte.
Außerdem sind historische Ärmel nicht rechteckig (gerade), sondern am Ellbogen leicht gebogen. So wie man den Arm leicht eingeknickt halten würde.
Dies hat den Vorteil, dass sie bequemer sind als moderne Ärmel, denn der Mensch hält seine Arme selten kerzengerade nach unten hängend.
Oft waren die Ärmel an der Armkugel gepufft oder weiter geschnitten und zwar in allen Varianten und Formen, die man sich nur vorstellen kann. Unten ist eine kleine Auswahl zu sehen.
Das Schnittmuster
Beginnen wir mit dem Schnittmuster. Am einfachsten ist es, wenn man sich fertige Schnittmuster von historischen Oberteilen oder Jacken kauft. Dann hat man gleich das Ärmelschnittmuster inklusive und muss höchstens Breite und Länge ein bisschen anpassen.
Man kann sich den Ärmel natürlich auch selbst konstruieren anhand von historischen Büchern.
Aber will man es historisch korrekt haben und Zeit sparen, dann sind fertige Schnittmuster die bessere Wahl.
Wie bereits erwähnt, gibt es zwei Teile: einen Außen- und einen Innenärmel (siehe Bilder rechts).
Links im Bild liegt der Innenärmel auf dem Außenärmel.
Beim zusammennähen kann man eigentlich nicht viel falsch machen, denn man legt den Innenärmel so auf den Außenärmel, dass die Beugung übereinstimmt.
Also nicht, dass der eine Ärmel nach rechts gebeugt ist und der andere nach links.
Die blauen und grünen Linien sind die Außenkanten beider Ärmel, die zusammengenäht werden.
D.h. blaue Linie vom Außenärmel wird mit der blauen Linie vom Innenärmel zusammengenäht und bei grün das gleiche.
Schnittmuster korrigieren
Natürlich sollte man vorher immer mit ein Stück Probestoff probieren, ob das Schnittmuster passt oder ob Änderungen vorgenommen werden müssen.
Der Ärmel sollte nicht zu eng und nicht zu weit sein. Historische Ärmel waren meistens eher eng anliegend. Ich hab aber gern so 1-2 cm Luft.
Ist der Ärmel z. B. zu weit, kann man rechts und links einfach 1-2 cm abschneiden. Natürlich beim Außen- und Innenärmel (obwohl ich es noch nicht probiert hab, wenn man nur einen korrigiert).
Was man allerdings beachten muss ist, dass die linke Kante (Naht) vom Außenärmel und die linke Kante (Naht) vom Innenärmel die gleiche Länge haben müssen (siehe oben im Bild die blauen Linien).
Denn durch das Kürzen oder Verbreitern verändert man auch die Seitenlängen der Ärmel.
Da muss man unbedingt mit einem Maßband die Kanten messen und ggf. die Länge des Ärmels anpassen.
Geht es an das Einnähen des Ärmels in die Jacke oder des Oberteils, gilt es folgendes zu beachten:
In der Regel sind im Schnittmuster beim Außenärmel Markierungen aufgezeichnet von wo bis wo die Armkugel gerafft bzw. in Falten gelegt werden muss.
Ebenso muss es eine Markierung geben, wo die Armkugel auf die Schulternaht trifft. Ansonsten nimmt man einfach den höchsten Punkt des Ärmels.
Ich hab z. B. festgestellt, dass, wenn ich den Innenärmel aus Schnittmusterpapier auf die Jacke lege, die erste Naht vom Ärmel mit der ersten Seitennaht übereinstimmt.
Die hintere Naht vom Ärmel endet oben an der Spitze genau bei der hinteren Rückennaht.
Und da ich Perfektion liebe, ist das für mich immer ein besonderer Moment.😊
Nun ist es so, dass die vordere Naht vom Ärmel in der Regel dort angesetzt wird, wo die erste Seitennaht von der Jacke beginnt.
Die hintere Naht des Ärmels geht in die hintere Rückennaht über und befindet sich direkt beim Ellbogen.
Man merkt es auch beim Anziehen, ob der Ärmel richtig sitzt oder nicht. Ich stecke ihn grundsätzlich vorher mit Stecknadeln ins Armloch und probier das Kleidungsstück an.
Dann wird so lange korrigiert, bis sich der Ärmel bequem anfühlt. Er sollte z. B. auch keine unerwünschten Falten werfen oder sonst irgendwie einengen oder sich komisch anfühlen.
Das liegt dann einfach nur daran, dass die Armkugel nicht richtig ins Armloch eingesetzt ist.
Zusammenfassung
Einen Ärmel nach historischem Schnittmuster nähen ist einfacher als es anfangs aussieht. Hier eine kleine Zusammenfassung vom Artikel „Historischen Ärmel anpassen und nähen“:
- Ärmel aus Probestoff nähen und schauen, ob er richtig passt und sitzt
- ev. Schnittmuster anpassen (immer beide Ärmelteile ändern!)
- beim Ändern des Schnittmusters immer die Nähte kontrollieren, ob sie vom Außen- und Innenärmel gleich lang sind
- Ärmel korrekt zusammennähen > auf die Beugung achten
- Ärmel so in die Armkugel einsetzen, dass erste Naht vom Ärmel mit der ersten Seitennaht zusammentrifft
- Markierungen bezüglich der Raffung der Armkugel und Schulternaht beachten
