Hier zeige ich dir, wie ich mir ein Vintage Kleid 1940er Jahre mit hoher Taille selbst genäht habe. Das Schnittmuster hab ich zum Teil selbst erstellt.
Du liebst auch die Mode aus den 1940er Jahren? Und du wolltest dir schon immer einmal ein Kleid aus dieser Zeit selbst nähen, aber dir fehlt die Inspiration und eine Anleitung?
Dann könnte diese Nähanleitung etwas für dich sein.
Jedesmal, wenn ich den Film The Notebook schaue, verliebe ich mich wieder unwillkürlich in die Mode aus den 1930er und 40er Jahren. 😍
Die Schnitte, meist figurbetont, und ausgestellten Röcke kombiniert mit raffinierten Details sind einfach traumhaft. Die Stoffe einfach himmlisch.
Und das beste: trotz aller Raffinesse war die Mode von damals auch alltagstauglich. Und mit ein bisschen Näherfahrung, war es auch nicht schwer, sich selbst solche Kleidung zu nähen.
Inhaltsverzeichnis
Und so enstand in meinem Kopf dieses hellblaue Kleid mit ausgestelltem Bahnen-Rock und Puffärmeln. Es sollte auf jeden Fall aus Leinen sein, denn Leinen ist mein Lieblingsmaterial. Das Oberteil habe ich nicht mit Beleg genäht, sondern gleich doppelt (also die äußere Lage ist genauso wie die innere).
Hinweis 1
Einfacher ist es, wenn man alle Teile nach dem Ausschneiden mit der Overlock versäubert. Ich war so im Nähfieber, dass ich das bisschen verpasst habe.🤭
Hinweis 2
Ich habe die Ärmel so angenäht, dass ich erst die Ärmel an die Armkugel angenäht habe und dann die Seitennaht der Ärmel zusammen mit der Seitennaht des Oberteils geschlossen habe.
Natürlich kann man auch zuerst den Ärmel zunähen, dann die Seitennaht des Oberteils schließen und dann den fertigen Ärmel in das Armloch einsetzen und annähen. Das mag für Anfänger etwas einfacher sein.
Was du brauchst
- Stoff: für Oberteil ca. 1,5 m, für Rock: 2 m (Größe 36)
- 60 cm langen Reißverschluss (ich verwende nahtverdeckten)
- die üblichen Nähutensilien (Nähmaschine, Schneiderkreide oder Textilstifte, Heftgarn)
- Knöpfe als Zierelement vorn
- Schnittmusterpapier
- im Idealfall das Buch „Oberteil Grundschnittvariationen“ von Harumi Maruyama oder ein Grundschnittmuster mit deinen Maßen
- das Schnittmuster für den Rock habe ich von einem Prinzessrock Schnittmuster von Etsy
- etwas Vlieseline zum Verstärken des Kragens
1. Oberteil anfertigen
1.1 Schnittmuster für Oberteil erstellen
Für Nähanfänger und Nähverliebte, die ihre eigenen Schnittmuster erstellen wollen, kann ich das Buch „Oberteil Grundschnittvariationen“ von Harumi Maruyama nur empfehlen. Das gibt’s für Oberteile, Hosen und Kleider.
Darin sind Grundschnittmuster für verschiedene Größen enthalten und Erklärungen, wie man das Schnittmuster mittels Abnähern anpassen kann. Es werden verschiedene Stile für Oberteile und Kleider vorgestellt und auch wie man Röcke erstellt. Und es ist wirklich kinderleicht.
Es gibt nichts schöneres, als dass man ein Kleid selbst nach nähen kann, was man irgendwo sieht oder was einen in den Sinn kommt.
Für das Oberteil hab ich beim Vorderteil die beiden Brustabnäher sowie die beiden senkrechten Abnäher eingezeichnet.
Am besten machst du dir auch eine Markierung, bis wohin der Ausschnitt offen sein soll. Dann zeichnest du einen spitzen Ausschnitt ein. Der Schalkragen wird ja später umgeklappt. Daher musst du ihn extra dran zeichnen (siehe Bild).
Mein Schalkragen ist z. B. 3 cm breit. Je nachdem wie breit du ihn haben möchtest, zeichnest du beim Ausschnitt eine 3 cm parallele Linie daneben. Diese endet natürlich unten dort, wo der Ausschnitt aufhören soll.
Lieber den Kragen etwas länger zeichnen. Denn abschneiden kann man ihn hinterher immer noch, wenn er zu lang sein sollte.
Da die beiden Teile vom Vorderteil bei mir vorn überlappen, hab ich 1 cm zugegeben an der Mittelnaht.
Die überstehende Länge der Linie (des Schalkragens) bekommst du raus, indem du den Ausschnitt vom halben Rückenteil misst.
Wenn der Rückenausschnitt z. B. 9 cm ist, musst du den Kragen auch um 9 cm verlängern, da er ja später mit an den Ausschnitt vom Rückenteil angenäht wird.
Wenn du ganz sicher gehen willst, ob alles passt, kannst du mit einem alten Stück Stoff einen Probeschnitt durchführen.
1.2 Oberteil Schnittmuster auf Stoff übertragen
Nun kannst du das Schnittmuster für das Oberteil auf den Stoff übertragen. Da ich keinen Beleg verwende, habe ich alle Teile zweimal ausgeschnitten. Insgesamt besteht das Vorderteil dann aus 4 Teilen und das Rückenteil ebenfalls aus 4 Teilen.
1.3. Abnäher nähen
Jetzt nähst du die Abnäher. Am einfachsten finde ichs, wenn man sie vorher mit Heftgarn zusammenheftet, sodass sie nicht verrutschen können.
Man beginnt immer an der breiten Stelle und näht zur Spitze zu. Dabei verriegelt man nur am Anfang, aber nicht am Ende. Am Ende mach ich einfach zwei Knoten.
Danach die Abnäher schön glatt bügeln und die Heftfäden wieder entfernen.
1.4. Kragen mit Vlieseline verstärken
Damit der Kragen später immer schön sitzt und nicht wellig wird oder auspaddelt, wird er mit Vlieseline verstärkt. (Ich hab das ein bisschen verpasst und erst nachträglich gemacht, als ich Vorder- und Rückenteil schon zusammengenäht hatte.)
Dazu einfach einen Streifen Vlieseline in Größe des Kragens ausschneiden und mit einem feuchten Tuch aufbügeln. Kurz warten, bis die Vlieseline fest ist und fertig.
1.5. Vorderteil und Rückenteil an den Schultern zusammennähen
Jetzt kannst du das Vorderteil und Rückenteil an den Schultern zusammennähen. Den überstehenden Kragen nähst du dann an den Rückenausschnitt.
Am besten schneidest du beim Kragen, wo er an den Rückenausschnitt genäht wird, die Nahtzugabe bis kurz vor die spätere Naht ein, damit er sich besser an den Rückenausschnitt nähen lässt.
Es ist zwar ein bisschen Gefummel, aber am Ende hat es doch ganz gut geklappt. Der Kragen sollte dann genau in der hinteren Mitte enden.
Das gleiche machst du jetzt insgesamt 4 mal. Zweimal Außenlage und zweimal Innenlage.
1.6. Außen- und Innenlage zusammennähen
Als nächstes wird die Außen- und Innenlage zusammengenäht und zwar vorn unten beginnend bis hoch zum Schalkragen. Die hintere Mitte lässt du offen, da dort später der Reißverschluss eingesetzt wird. Du nähst nur oben die Kante vom Kragen zusammen.
Jetzt siehst du schon wie der Kragen sich schön legt.
1.7. Vorderteil zusammennähen
Da wir ja hinten den Reißverschluss haben, können wir das Vorderteil vorn zunähen. Da ich die beiden Vorderteile vorn in der Mitte 1 cm breiter gemacht habe, kann ich sie übereinander legen und festnähen und zwar bis dorthin, wo der Ausschnitt enden soll.
1.8.Seitennaht schließen
Wenn du den Ärmel erst zunähst und dann in das Oberteil nähst (Variante 1), kannst du jetzt die Seitennaht vom Oberteil schließen. Wenn du allerdings Variante 2 machst, muss die Seitennaht noch offen bleiben.
2. Ärmel anfertigen
Jetzt widmen wir uns den Ärmeln. Dazu ist es am einfachsten, wenn du sie zuerst mit der Overlock versäuberst, bis auf das Bündchen.
Ich hab mich für Puffärmel entschieden, welche auch im Buch „Oberteil Grundschnittvariationen“ sehr verständlich und einfach erklärt werden.
Im Grunde nimmt man sich den Ärmel Grundschnitt und zeichnet senkrechte Linien ein, die man dann aufschneidet. Dabei schneidet man die äußeren Linien nicht ganz durch, nur die mittleren.
Danach legt man das Grundschnittmuster auf ein neues Papier und zieht das Schnittmuster in der Mitte soweit auseinander wie man die Ärmel gepufft haben möchte.
Für die untere Puffung am Bündchen werden die aufgeschnittenen Linien nur unten auseinander gezogen.
Zuletzt zeichnet man das neue Schnittmuster nach und formt die Armkugel wieder schön aus.
2.1. Ärmel Bündchen anfertigen
Am einfachsten ist es, man fertigt zuerst das Bündchen des Ärmels an. Dazu schneidest du aus dem gleichen Stoff des Ärmels einen Streifen aus, der so lang ist, dass dein Oberarm bequem rein passt (Umfang des Oberarms) + reichlich Nahtzugabe (ich nehm meist 2 cm).
Die Breite hängt davon ab, wie breit du das Bündchen haben möchtest. Mein Bündchen ist z. B. 1 cm breit. Insgesamt muss der Streifen dann 4 cm breit sein (inkl. Nahtzugabe).
Wenn du das Bündchen an den Ärmel hältst, sollte es kürzer sein, als der Ärmel, da der Ärmel ja auch unten gepufft wird.
Um den Ärmel unten zu raffen, nähst du 2 parallele Linien mit dem größten Stich deiner Nähmaschine (eine Linie oberhalb der späteren Naht und eine unterhalb). An einem Ende verriegelst du die Nähte, am anderen Ende ziehst du solange an einem der Fäden bis sich der Stoff raffen lässt.
Wenn du den Ärmel soweit gerafft hast, bis die Breite mit dem Bündchen übereinstimmt, legst du von außen das Bündchen rechts auf rechts an das Ärmelende und steckst es mit Nadeln fest.
Besser ist es, das Bündchen jetzt noch mit Heftgarn von Hand festzunähen bevor du es mit der Nähmaschine annähst. Dann wird das Ergebnis schöner.
Danach kannst du das Bündchen umklappen und mit der Hand auf der Innenseite mit einem Leiterstich oder ähnliches annähen.
Diese Variante gefällt mir persönlich am besten, da man von außen keine Naht sieht.
2.2. Armkugel raffen
Um die Armkugel zu raffen, nähst du wieder 2 parallele Linien mit dem größten Stich deiner Nähmaschine.
Wichtig ist auf dem Schnittmuster zu markieren, von wo bis wo die Armkugel gerafft werden soll. Denn es sieht sonst nicht so schön aus und ist auch nicht so bequem, wenn sie z. B. hinten zu weit unten gerafft wird.
2.3. Ärmel an das Oberteil nähen
Variante 1
Für die einfachere Variante kannst du jetzt den Ärmel an der Seitennaht zusammennähen und in die Armkugel einpassen. Am besten heftest du den Ärmel erst mit Stecknadeln an und schaust, ob er gut sitzt.
Variante 2
Für die andere Variante nähst du zuerst den gerafften Ärmel an der Armkugel an und schließt Seitennaht vom Oberteil und Seitennaht vom Ärmel in einem Rutsch. Dabei muss sehr genau gearbeitet werden, denn die Nähte sollten sich unter dem Arm (in der Achsel) treffen.
Das Oberteil ist erst einmal fertig.
3. Rock anfertigen
3.1. Schnittmuster anfertigen
Für das Schnittmuster kann man sich entweder das Buch „Kleid Grundschnittvariationen“ von Harumi Maruyama zu Hilfe nehmen oder man kauft sich ein fertiges Schnittmuster für einen Prinzessrock von 1900.
Ein Kleid ist ja im Grunde nur die Zusammensetzung aus Rock und Oberteil. Mein Schnittmuster ist von Etsy.
Das Schnittmuster muss man dann natürlich auf seine Größe anpassen. Die Länge hängt davon ab, wie lang man das Kleid haben möchte. Meins ist knielang, also der Rock ab unter der Brust ca. 70 cm.
3.2. alle Bahnen versäubern und zusammennähen
Nachdem du das Schnittmuster auf den Stoff übertragen hast, versäuberst du alle Seitennähte mit der Overlock. Anschließend nähst du alle Bahnen zusammen bis auf die hintere Naht. Dann versäuberst du noch den oberen Rand des Rockes mit der Overlock.
3.3. Rock an Oberteil nähen
Jetzt kannst du schon den Rock an das Oberteil nähen. Am besten erst einmal dran heften mit Stecknadeln oder Heftgarn, um zu schauen, ob alles passt und dann mit der Nähmaschine annähen.
Das Kleid sollte jetzt soweit fertig sein, dass nur noch die hintere Naht und der Rocksaum offen ist.
4. Reißverschluss einnähen
Ich hab mich für einen unsichtbaren Reißverschluss entschieden, da ich den am hübschesten finde und er kaum zu sehen ist.
Auf youtube gibt es ein ganz tolles Video, indem das Nähen dieses nahtverdeckten Reißverschlusses perfekt erklärt wird. Somit gelingt es auch Anfängern.
Das Video ist zwar auf englisch, aber auch, wenn man kein englisch versteht, denke ich, dass man es mit diesem Video hin bekommt.
Wichtig ist, dass du den Reißverschluss nur an der Außenlage vom Oberteil annähst. Die Innere Lage wird dann umgeklappt und von Hand an den Reißverschluss genäht, was von außen dann nicht zu sehen ist.
4.1 Ablauf Reißverschluss nähen
Du drehst das Kleid auf links und nähst erst einmal die hintere Naht zusammen und zwar von oben mit dem größten Stich der Nähmaschine bis dorthin, wo der Reißverschluss aufhören soll.
Danach verriegelst du und nähst mit einem Normalstich weiter (z. B. 2,5 mm). Wichtig ist, dass die Nahtzugabe, auf die dann der Reißverschluss genäht wird, mit Vlieseline verstärkt wird. Das gibt dem ganzen mehr Halt.
Anschließend bügelst du die Nahtzugabe schön auseinander und legst den Reißverschluss genau mittig drauf und heftest ihn am besten mit Heftgarn an.
Erst die eine Seite, dann die andere. Anschließend trennst du die Naht wieder auf, die du mit dem größten Stich deiner Nähmaschine genäht hast, sodass du den Reißverschluss öffnen kannst.
Im nächsten Schritt nähst du dann den Reißverschluss an (nur an der äußeren Lage vom Oberteil!). Ich verwende dafür am liebsten den verstellbaren Reißverschlussfuß, den man hin und herschieben kann. Denn es ist wichtig, dass man ganz nah an den Reißverschlusszähnchen näht, damit man ein schönes Ergebnis erhält.
