Irgendwie steh ich gerade total auf Bahnenröcke von 1900 bis 1915 herum. Egal, ob 3 Bahnen oder 5 oder 7 … ich find sie so praktisch, schick und eigentlich doch zeitlos. Oben eng anliegend und unten weit schwingend. Bequemer geht’s glaub ich nicht.
Auf der Suche nach einem Schnittmuster bin ich im Buch „Patterns of Fashion 2“ von Janet Arnold fündig geworden.
Da gibt es auf S. 50 ein Ensemble mit einem Rock, welcher aus 7 Bahnen besteht und mit Biesen verziert ist.
Diesen hab ich nach genäht. Nur etwas abgewandelt. Ich hab z. B. Leinen verwendet, weil ich das gerade da hatte, und die Stickerei weggelassen. Hinten hab ich auch einen Reißverschluss eingefügt, statt der Haken und Ösen Verschlüsse an der Seite.
Schnittmuster aus Buch kopieren
Die einfachste Methode ein Schnittmuster aus den Janet Arnold Büchern (Patterns of Fashion) heraus zu kopieren ist folgende:
Man zerschneidet das beigefügte Lineal exakt an der Kante und legt es im Buch an das Schnittmuster.
So erhält man die Maße 1:1 ohne, dass man mühsam die Kästchen zählen muss.
Auf das Schnittmusterpapier zeichne ich dann erst einmal ein Rechteck so breit und lang wie das Schnittmuster und übertrage die einzelnen Striche.
Inhaltsverzeichnis: 7-Bahnen-Rock 1902 nähen
So hab ich den 7-Bahnen-Rock von 1902 genäht:
Der Rock besteht nicht nur aus 7 Bahnen, sondern hat an jeder Bahn auch 4 Biesen, welche 77 cm lang sind.
Die Biesen sind immer an DER Kante, die nach vorn zeigt und die erste Biese verdeckt die Seitennaht.
3) Falte abmessen für Biese
Mittels des Saummaßes kann man ideal die Breite der Falte abmessen. In meinem Fall ist die Biese 0,3 cm breit.
Daher muss man von der Seitennaht eine 0,3 cm hohe Falte umbügeln.
Das Bild täuscht ein wenig, da ich am Anfang die Biese zu weit neben der Seitennaht angesetzt hatte.
Also die Naht der Biese muss genau auf der Seitennaht liegen.
4) Erste Biese nähen


Dann wird die erste Biese entlang der Falte genäht. Am besten macht es sich, wenn man so einen Standard-Nähfuß hat, wie er bei den meisten Computernähmaschinen vorhanden ist.
Denn dort gibt es eine schöne Einkerbung, die einen 0,5 cm Abstand zur Nähnadel anzeigt.
Man kann sich aber auch einen Papierstreifen auf die Nähmaschine kleben, um den Abstand einzuhalten.
Diesen Vorgang wiederholt man jetzt mit allen Biesen auf allen Rockbahnen. Die einzige Bahn, wo ich keine Biesen genäht hab, ist die vorderste.
An der Rückennaht hab ich ebenfalls keine Biesen genäht, da mir das mit dem Reißverschluss zu kompliziert erschien.
7) Alle Rockbahnen zusammennähen


Wenn alle Biesen genäht sind, kann man die Rockbahnen zusammennähen.
Als erstes bügele ich mir die Biese wieder in die andere Richtung (also nach hinten), damit ich nicht ausversehen drauf nähe.
Ich fange immer von vorn nach hinten an. Das heißt, ich nehme mir die vorderste Bahn und vordere Seitenbahn und nähe beide zusammen.
Da die Seitennaht direkt mit der Naht der Biese zusammentrifft, hefte ich beide Bahnen rechts auf rechts mit Stecknadeln zusammen und guck, dass die Stecknadeln genau auf der Naht von der Biese raus kommt.
Beim Nähen verwende ich den schmalen Reißverschlussfuß (siehe Bild), da ich auf der Rückseite der Biesen entlang nähe.
So merke ich sofort, wenn ich auf der Biese nähen würde. Und das wollen wir ja nicht. Wir wollen ja neben der Biese nähen.
So verfährt man mit allen anderen Bahnen ebenfalls. Die Rückennaht muss allerdings noch offen bleiben!
Jetzt kann man den Rock anprobieren und schauen, ob er ordentlich sitzt. Denn, wenn er zu weit sein sollte oder die Rückenbahnen zu breit sein sollten kann man dies jetzt noch korrigieren.
8) Bund an Rock nähen


Für den Bund schneide ich mir immer einen Stoffstreifen aus dem gleichen Stoff zurecht, der je nachdem wie breit man den Bund haben möchte, ca. 3-4 cm breit ist und so lang wie Taille + Nahtzugabe.
Wichtg ist den Stoffstreifen mit Kantenfix zu verstärken. Das sorgt für mehr Stabilität und besseren Sitz und verhindert ein ausleiern.
Anschließend näht man den Bund rechts auf rechts auf der Außenseite des Rockes an.
9) Bund feststeppen


Für mehr Stabilität des Bunds hab ich ihn von außen auf der Nahtzugabe noch einmal festgesteppt. Also entlang genäht.
10) Nahtzugabe am Bund zurückschneiden


Jetzt kann die Nahtzugabe am Bund zurückgeschnitten werden.
11) Rückennaht schließen
Die Rückennaht wird bis dort hin zugenäht, wo der Reißverschluss endet, jedoch ein bisschen drüber.
Der obere Teil, wo später der Reißverschluss ist, wird zusammengeheftet (am besten mit Faden).
Wichtig ist, dass die Nahtzugabe beim Reißverschluss mit Kantenfix verstärkt wird. Und zwar ruhig 1-2 cm länger, wie der Reißverschluss lang ist. Sonst wird das Ergebnis nicht wie gewünscht.
Ich hab das nämlich leider vergessen und nachträglich gemacht. Dadurch wurde aus dem unsichtbaren Reißverschluss ein sichtbarer. 😒
12) Reißverschluss auf Naht heften


Der Reißverschluss wird nun auf die Naht geheftet.
Damit man den Reißverschluss zum Annähen öffnen kann, entfernt man die Heftfäden von der Naht (nicht vom Reißverschluss).
13) Unsichtbaren Reißverschluss annähen
Zum Annähen des unsichtbaren Reißverschlusses nimmt man am besten den schmalen Reißverschlussfuß. Mit ihm kann man die Zähnchen vom Reißverschluss schön zurückbiegen.
Denn je näher man an den Zähnchen näht, um so schöner das Ergebnis.
14) Bund von innen annähen





Der Bund wird nun nach innen umgeschlagen und von Hand angenäht.
Nur beim Reißverschluss hab ich am Bund senkrecht nach unten genäht, damit er gut fixiert ist.
15) Schablone für Saum erstellen


Da der Rocksaum ja rund ist, kann man ihn nicht einfach umklappen und annähen. Man hätte immer zu viel Stoff und zu viele Falten.
Der beste und eleganteste Wege ist daher eine Schablone. Dazu legt man alle Rockbahnen vom Schnittmuster nebeneinander, legt Schnittmusterpapier drauf und zeichnet den Saum ab.
Je nachdem wie stark die Rundungen sind, muss man mehrere einzelne Teile machen, die man dann am Ende zusammennäht.
Dann überträgt man die Schablone auf den Stoff. Dazu kann man ruhig andersfarbigen Stoff nehmen, denn man sieht ihn ja am Ende nicht mehr.
16) Stoffstreifen an Saum nähen


Der Stoffstreifen für den Saum wird dann rechts auf rechts von außen an den Rocksaum genäht, nach innen umgeschlagen, umgebügelt und festgenäht.
Und dann ist der Rock auch schon fertig und einsatzbereit.


