Rock mit Cartridge Falten nähen

Rock nähen mit Cartridge Falten

Ich finde ja die Röcke mit diesen vielen kleinen akkurat stehenden Falten aus der Zeit um 1840 herum – genannt Cartridge Falten – auch ganz hübsch. Deshalb habe ich mir gedacht, das muss ich einmal probieren.

Außerdem sehen sie super bequem aus und es braucht kein kompliziertes Schnittmuster. Sondern nur ein rechteckiges Stück Stoff, welches sehr breit sein muss, um die nötige Fülle zu kreieren. So 3 – 4m sollten es da schon sein. Dann ein Taillenband, einen Verschluss, z. B. Knöpfe, fertig.

Wie bei vielen Sachen in der Mode gab es Cartridge Falten bereits im 15. und 16. Jhd. Jedoch erlebten sie insbesondere um 1830-1840 in England, Amerika, Frankreich … ein Comeback, da die Röcke in dieser Zeit besonders voluminös waren. Irgendwie musste man ja die Masse an Stoff um die Taille herum raffen und gleichzeitig flach halten.

Denn eine schmale Taille war ein Muss. In den Niederlanden scheint diese Faltenart aber auch im 18. Jhd. Mode und sehr typisch gewesen zu sein, denn man findet im Kunstmuseum von Den Haag viele Kleider mit Cartridge Falten, datiert auf 1780 wie diese Frau herausgefunden hat.

Was sind Cartridge Falten?

Cartridge Falten sind eine geniale Erfindung, bei der der Stoff am Bund durch zwei parallele Nahtlinien zusammen gerafft wird. Die Falten legen sich durch das Raffen wie von alleine und sehen aus wie Berge und Täler.

Dadurch kann der Stoff an der Taille schön zusammengerafft werden, ohne, dass die Falten flach gelegt werden müssen. Somit bleiben die Falten stehen, so wie sie sind.

Nach dem Raffen werden die Falten an das fertige Taillenband genäht. Dabei näht man immer nur die „Täler“-Falten mit zwei Überwendlichstichen (Whipstitch) an den Bund an.

Die „Berge“-Falten hängen dann sozusagen lose. Aber keine Angst, der Rock hält. Es ist wichtig den Rock und das Taillenband vorher fertig zu umsäumen.

Inhaltsverzeichnis Rock nähen mit Cartridge Falten

Taillenband vorbereiten

Zuerst schneidet man sich einen langen Streifen Stoff zurecht, der so lang ist wie der Taillenumfang + Nahtzugabe + Überlappung für die Knopflöcher. Mein Rockbund wird am Ende ca. 4 cm breit sein. 

Anschließend muss der Stoff noch mit Vlieseline verstärkt werden. Ich hatte hier leider zu dünne Vlieseline genommen (H 180). Kantenfix wäre sicher besser gewesen. 

Da mein Stoff ziemlich dünn ist, habe ich den Außenstoff an der oberen langen Kante und an den beiden Seitenkanten mit einem stärkeren Stoff zusammen genäht und anschließend gewendet. (Außenstoff ist kariert, Innenstoff weiß)

Zum Schluss sollte man noch die obere  Kante absteppen (ca. 0,5 cm von der Kante entfernt). Das stabilisiert das Taillenband zusätzlich. 

Taillenband nähen

Danach hab ich das  gleiche noch einmal an die untere Kante genäht. Dieser untere Streifen wird später nach innen umgeklappt, um einen sauberen stabilen Abschluss zu bekommen.

Knöpfe und Knopflöcher kann man ebenfalls schon annähen.

Rock mit Cartridge Pleats nähen - Rockbund nähen, Innenseite

So sieht nun die Innenseite vom zukünftigen Rockbund aus. 

Kordel in Taillenband nähen

Da man oft in historischen Kleidern und Röcken eingenähte Kordeln sieht und gerade bei Röcken mit Cartridge Falten, habe ich das ebenfalls mal ausprobiert. 

Die Kordel dient zudem zur Verstärkung, um dem Rock mehr Halt zu geben.

Wie immer hatte ich nicht die passende Kordel da und musste das nehmen, was ich zur Verfügung hatte. Leider war sie etwas zu weich. Aber für den ersten Versuch ganz ok. 

Die Kordel wird nun exakt an die Innenseite an die offenen Kanten gelegt. 

Nun wird das untere Stoffende umgeklappt, sodass die Kordel innen liegt und vom Stoff eingeschlossen wird. Ein paar Stecknadeln helfen den Stoff an Ort und Stelle zu halten. 

Kordel in Rockbund nähen

Mit dem Reißverschlussfuß kann man jetzt exakt an der Kordel entlang nähen. 

Ich habe hier von der Außenseite des Stoffes genäht.

Saum vom Taillenband umklappen

Nachdem die Kordel sozusagen „festgenäht“ ist, wird der überstehende Saum nach innen umgeklappt und von Hand mit ein paar Stichen angenäht.

Beim Annähen der offenen Saumkante steche ich abwechselnd in die Nahtzugabe und die innere Lage Stoff.

Denn von außen sollen ja die Stiche nicht zu sehen sehen. Eine herrliche meditative Arbeit. 

Und dann ist der Rockbund auch schon fertig. 

Rock raffen

Den Bund vom Rock hab ich oben und unten zweimal umgeschlagen und angenäht. Unten hab ich gerne einen sehr breiten Saum von mind. 4-5 cm. Der obere dagegen ist ca. 1 cm breit. 

Die Seiten hab ich mit der Overlock versäubert. 

Jetzt näht man am besten mit der Hand zwei parallele Nähte in der gleichen Farbe des Stoffes am oberen Rockrand.

Dabei ist es wichtig immer den gleichen Abstand einzuhalten. Der Abstand bestimmt dann die Größe der Falten

Ich hab hier einfach das Karomuster als Orientierung genommen. Ein Kästchen ist ca. 1 cm breit und so hab ich immer mit einem cm Abstand genäht. 

Die hintere oder vordere Naht (je nachdem wo man sie haben möchte) kann man ebenfalls schließen. Natürlich muss man oben noch ein Stückchen offen lassen, damit man dann später den Rock überziehen kann.

Anschließend zieht man an den Fäden, um den Rock zu raffen. Der geraffte Rock sollte dann genauso breit sein, wie das Taillenband.

Rock an Taillenband feststecken

Im Anschluss kann man den gerafften Rock ans Taillenband feststecken. Solche Klammern machen sich da besser als Stecknadeln, finde ich.  

Dabei wird das Taillenband rechts auf rechts an den Rock gelegt, sodass die untere Seite vom Taillenband an der oberen Seite vom Rockbund liegt. 

Annähen der Cartridge Falten

Und nun kommt das spannendste: das Annähen der Cartridge Falten.

Hierfür sollte man es sich richtig gemütlich machen, denn es dauert ein Weilchen. Aber es macht unheimlich Spaß und hilft beim Entschleunigen. 

Wenn man sich die Falten als Berge und Täler vorstellt, dann sieht man, dass nur die Täler mit dem Taillenband in Berührung kommen. Und genau da setzt man die Nadel an  und näht mit zwei Überwendlichstichen den Rock an das Taillenband an. 

Und schon ist der Rock fertig. Ich hab den Schlitz vorn gemacht, denn er fällt überhaupt nicht auf und durch die zwei kleinen Druckknöpfe, bleibt er auch imer geschlossen.

Für den Anfang ist er gar nicht so schlecht geworden und es wird mit Sicherheit nicht mein letzter Rock dieser Art gewesen sein. Den Rock hab ich übrigens knielang gemacht.

Ich denke, ich werde mir irgendwann noch einen kleinen Unterrock dazu nähen, damit er doch etwas mehr Fülle bekommt und absteht. 

Das passende Oberteil hab ich hier genäht. 

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