„Das Buch der Wäsche“, welches um 1900 herum erschienen ist und in den 1990ern nachgedruckt wurde, bietet eine Fülle für historische Unterwäsche.
So auch dieses Unterhemd oder Taghemd, wie es früher genannt wurde.
Es besteht vorn aus einem Miederteil (Passe), welches über der Brust endet. An das Miederteil wird ein gerafftes rechteckiges Stück Stoff angenäht.
Das besondere ist der Aufschlag (heute würde man vielleicht Kragen dazu sagen), der an den vorderen Ausschnitt genäht wird und reichlich mit Spitze verziert ist.
Im folgenden findest du nun eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ich das Damen Unterhemd um 1900 genäht habe.
Als Stoff habe ich dünnen Baumwoll-Musselin von Sartor verwendet. Er ist nur 57 g/m² schwer und leicht transparent, aber nicht vollkommen transparent.
Für die Spitze verwendete man früher oft Valenciennespitze, was eine geklöppelte Netzgrundspitze mit durchlaufenden Fäden ist. Auf Etsy oder Trödelmärkten findet man diese heute noch.
Inhaltsverzeichnis: Damen Unterhemd nähen um 1900
1) Das Schnittmuster erstellen
Das Schnittmuster hab ich mir von meinem Grundschnitt her geleitet. Wenn man einmal seinen Grundschnitt hat, kann man eigentlich jedes Schnittmuster davon ableiten.
Für das Mieder wird das Schnittmuster vom Vorderteil oberhalb der Brust quer durch geschnitten. Der untere Teil wird etwas breiter gemacht, da er ja gerafft an das Mieder angenäht wird.
Die beiden gezeichneten Bilder stellen jeweils das Miederteil und den Aufschlag dar, wie es im Buch gezeichnet ist.
Die Maße sind ab der 0 nach unten und rechts rüber zu lesen. Natürlich muss man sie noch entsprechend der eigenen Körpermaße anpassen.
Ich mach mir da immer ein Muster, was ich dann an meinen Körper anhalte.
2) Miederteil aus Stoff ausschneiden
Zuerst hab ich das Miederteil aus Stoff ausgeschnitten. Meine Nahtzugabe ist 1,5 cm breit, da ich Unterwäsche immer mit französischen Nähten nähe.
Den Ausschnitt kan man so spitz machen, wie man möchte.
3) Obere Kante des unteren Vorderteils versäubern
Danach hab ich den unteren vorderen Teil aus Stoff zugeschnitten und leicht gerafft.
Anschließend hab ich einen 2 cm breiten Stoffstreifen aus dem gleichen Stoff zugeschnitten, der so lang ist, wie der Körper breit.
Dieser Stoffstreifen wird (ähnlich wie beim Schrägband) an den langen Seiten um 0,5 cm umgebügelt und von außen rechts auf rechts angenäht.
Dann klappt man ihn nach innen um und näht ihn von außen fest. Somit hat man die obere Kante des unteren Vorderteils schön versäubert.
4) Spitze an Miederteil nähen
Jetzt kann von außen die Spitze an das Miederteil genäht werden.
Die Nahtzugabe wird auf ca. 1 cm zurück geschnitten und von der linken Seite zum Stoff hin zweimal umgebügelt.
Je schmaler die Nahtzugabe, um so schöner das Endergebnis. Und wenn man die Nahtzugabe auf der Spitze festnäht, fällt es von außen kaum auf.
6) Spitze an Aufschlag (Kragen) nähen
Als nächstes kommt der Aufschlag (Kragen) dran. Die Spitze hab ich gleichmäßig aufgelegt und von außen (rechte Seite) angenäht.
Danach wird der Stoff auf der Rückseite unter der Spitze aufgeschnitten und auseinander gebügelt (zum Stoff hin).
Das ganze wird bei beiden Aufschlägen gemacht.
Die so entstandene Nahtzugabe wird wieder 2 mal umgeschlagen und von der linken Seite her festgenäht.
8) Aufschlag an Ausschnitt nähen
Jetzt kann der Aufschlag an den Ausschnitt genäht werden. Und zwar so, dass er auf der linken Seite vom Vorderteil mit der rechten Seite vom Aufschlag angenäht wird.
Denn später wird ja der Aufschlag nach außen hin umgeklappt. Die Nähte zeigen nach außen.
9) Ausschnitt mit Stoffstreifen versäubern
Um die offenen Nähte von Aufschlag und Ausschnitt zu versäubern, hab ich einen 2 cm breiten Stoffstreifen aus dem gleichen Stoff zugeschnitten.
Die langen Seiten hab ich um 0,5 cm umgebügelt. Zusätzlich hab ich ihn mit aufbügelbarem Saumband verstärkt.
Nachdem die Nahtzugabe soweit wie möglich eingekürzt wurde, wird der Stoffstreifen mittig von der rechten Seite auf die Naht gelegt und angenäht.
11) Rückenausschnitt versäubern
Den Rückenausschnitt hab ich ebenfalls mit einem 2 cm breiten Stoffstreifen versäubert.
Ich hab ihn wieder von außen angenäht, Nahtzugabe zurück geschnitten, dann nach innen umgeklappt und angenäht.
Man kann natürlich auch den Stoffstreifen auf die Hälfte falten, die offenen Kanten von außen an den Ausschnitt nähen, nach innen umklappen und von innen noch einmal festnähen.
14) Saum umnähen
Zuguterletzt wird noch der Saum vom Unterhemd zweimal nach innen umgeschlagen und festgenäht.
Ich näh mir vorher immer eine Hilfsnaht, die mir als Falzkante dient. So bekommt man eine geradere Kante. Gerade bei dünnen Stoffen hilft das sehr.
Und fertig ist das Damen Unterhemd um 1900.





























